
Bild: Die Geschäftsführer Markus Winter (rechts) und Alexander Hochauer (links) ©Windkraft Simonsfeld, Klaus Rockenbauer
Die Energiewende braucht Unternehmen, die Nachhaltigkeit ganzheitlich denken – ökologisch, wirtschaftlich und sozial. Im Interview erklärt Windkraft Simonsfeld, wie das Unternehmen den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreibt, welche Rolle Kreislaufwirtschaft und Gemeinwohl spielen und warum Mitarbeitende hier nicht nur einen Green Job, sondern eine sinnstiftende Karriere mit Zukunft finden.
JOBVERDE.at: Die Windkraft Simonsfeld produziert seit Jahrzehnten sauberen Strom. Wie hat sich Ihre Vision eines nachhaltigen Energieunternehmens über die Jahre hinweg an die aktuellen Herausforderungen angepasst?
Andrea Rössler, Abteilungsleiterin Sustainability: Die Vision, regional erzeugte, saubere Energie für möglichst viele Menschen zu produzieren hat sich über die Jahrzehnte nicht geändert. Doch so wie sich die Herausforderungen in der Projektentwicklung immer wieder ändern, muss auch der Weg der Umsetzung dieser Vision stets adaptiert werden. Und die Themen werden komplexer: Regulatorien, angespannte Wirtschaftslage, Themen der Kreislaufwirtschaft, Biodiversität, weltweite Ressourcenknappheit und CO2-Reduktionsziele. All diese Aspekte sind heute integraler Bestandteil unserer Unternehmensstrategie und prägen unser tägliches Handeln. Für uns schließen sich nachhaltiges Wirtschaften und unternehmerischer Erfolg nicht aus, im Gegenteil.
Windkraftanlagen sind langlebig, aber nicht ewig im Einsatz. Welche Strategien verfolgen Sie beim sogenannten „Repowering“ oder dem Recycling von Anlagenkomponenten, um den ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten?
In Österreich werden Genehmigungen für Windkraftanlagen meist auf 20 Jahre ausgestellt. Danach gibt es die Möglichkeit, den weiteren Betrieb der Anlage erneut prüfen und genehmigen zu lassen. Für unsere ersten Windkraftanlagen, die wir 1998 errichtet haben, haben wir beispielsweise 2018 ein Weiterbetriebsgutachten machen lassen, wodurch sich ihre Laufzeit bis 2026 verlängert hat. Derzeit lassen wir eine weitere Verlängerung bis 2034 behördlich prüfen. Auch bei anderen Anlagen prüfen wir mögliche Betriebsverlängerungen sowie Repowerings genau. Bisher haben wir insgesamt 17 Anlagen abgebaut. 9 Anlagen davon wurden weiterverkauft und an anderen Standorten erneut aufgebaut, um weiterhin sauberen Strom zu produzieren. Teile von 8 Anlagen (Gondeln und Rotorblätter) wurden als Ersatzteile verkauft und nur eine Anlage wurde entsorgt. Bei Repowerings ist es immer eine Abwägungssache: Einerseits lassen sich Emissionen durch Abbau und Neubau für eine gewisse Zeit vermeiden, wenn die bestehenden Anlagen länger in Betrieb bleiben. Andererseits kann mit größeren Anlagen viel mehr sauberer Strom produziert werden, wodurch die bei den Bauarbeiten entstandenen Emissionen sehr schnell amortisiert werden und weitere Emissionseinsparungen an anderer Stelle möglich sind – durch die Substitution von Strom aus fossilen Quellen.
In den kommenden Jahren werden einige Repowering-Projekte auf uns zukommen. Windkraftanlagen sind derzeit, je nach Turm-Variante, bis zu 90 % recyclebar. Wertvolle Rohstoffe wie Metalle, aber auch Beton werden rückgewonnen, aufbereitet und wiederverwendet. Die Rotorblätter stellen derzeit beim Abbau die größte Herausforderung dar. Hier wird seitens der Anlagenhersteller mit Hochdruck an Recyclinglösungen gearbeitet. Auch wir sind stets bemüht, nachhaltige Lösungen zu finden und stehen diesbezüglich in engem Kontakt sowohl mit Lieferanten, Forschungseinrichtungen als auch mit Entsorgern.
Als Akteur der Energiewende ist Ihr Kerngeschäft bereits „grün“. Was macht die Windkraft Simonsfeld darüber hinaus zu einem modernen Arbeitgeber für Menschen, die einen Beruf mit echtem Sinn suchen?
Martina Reicher, Abteilungsleiterin People & Culture: Die Windkraft Simonsfeld ist nicht nur deshalb eine sinnstiftende Arbeitgeberin, weil sie erneuerbare Energie erzeugt. Modern ist sie vor allem, weil sie Verantwortung auch nach innen lebt: In der Unternehmens- und Nachhaltigkeitsstrategie ist verankert, Top-Arbeitgeberin zu sein und Mitarbeitenden mehr als nur einen Arbeitsplatz zu bieten. Dazu gehören flexible Modelle, die sich an unterschiedliche Lebensrealitäten anpassen — von Voll- und Teilzeit auch in Führungsfunktionen über die Wahl zwischen 4- und 5-Tage-Woche bis zu Homeoffice, mobilem Arbeiten und großer Flexibilität bei Karenz, Elternteilzeit oder Sabbaticals. Gleichzeitig werden Mitarbeitende aktiv eingebunden: Strategieprozesse, Employer Branding und sogar die Gestaltung der Arbeitsumgebung wurden partizipativ mit dem Team entwickelt. So entsteht ein Arbeitsumfeld, in dem Menschen nicht nur an der Energiewende mitarbeiten, sondern ihre Arbeit auch im Alltag als wirksam, gestaltbar und persönlich anschlussfähig erleben. Dazu kommt ein klares Bekenntnis zu Fairness, Gesundheit und Vielfalt. Windkraft Simonsfeld verankert Diversität und Inklusion strategisch, rekrutiert bewusst breiter — etwa über MyAbility und NEBA — und versteht Familie ausdrücklich inklusiv. Ergänzt wird das durch konkrete Angebote, die moderne Arbeitgeberqualität greifbar machen: Weiterbildungsbudgets, Learning App, Lehrlings- und Traineeprogramme, Leadership-Workshops, Sportkurse, Massage, arbeitspsychologische Begleitung, vegetarische Betriebsküche, Eltern-Kind-Büro und regelmäßige Beteiligungsformate.

Bild: Windkraft Simonsfeld
Zertifizierungen & Kultur: Sie legen Wert auf Transparenz und Qualität (z.B. Gemeinwohl-Bilanz oder Great Place to Work). Wie spüren die Mitarbeitenden diese Auszeichnungen konkret in der täglichen Zusammenarbeit und Firmenkultur?
Martina Reicher, Abteilungsleiterin People & Culture: Dass dieses Gesamtpaket wirkt, zeigen die Auszeichnungen und Kennzahlen: Great Place to Work mit 88 % Zufriedenheit, Kununu Top Company mit 4,8 von 5 Punkten sowie eine niedrige Fluktuation. Gerade für Menschen, die einen Beruf mit echtem Sinn suchen, ist das entscheidend: Sie finden hier nicht nur einen „grünen“ Job, sondern eine wertegetriebene, faire und moderne Arbeitswelt, in der Leistung, soziale Verantwortung und gesellschaftlicher Beitrag zusammengehören. Die gelebte Nachhaltigkeit spürt das Team Tag für Tag – dementsprechend hoch ist auch die Identifikation mit dem Purpose. Die Auszeichnungen und Befragungen sind bei der Windkraft Simonsfeld nicht nur ein externes Gütesiegel, sondern werden in konkrete Führungs-, Feedback- und Kommunikationsprozesse übersetzt. Für uns ist die ausgezeichnete Kultur kein Imageversprechen ist, sondern gelebte Realität., an der wir ständig weiterarbeiten.
Sie bilanzieren nach den Kriterien der Gemeinwohl-Ökonomie. Was bedeutet dieser ganzheitliche Nachhaltigkeitsansatz für die Entscheidungsprozesse und das Miteinander im Unternehmen?
Andrea Rössler, Abteilungsleiterin Sustainability: Als regional verankertes Unternehmen haben wir 2019 damit begonnen, Gemeinwohlbilanzen zu legen, weil die Berichtsstruktur für unsere damaligen Unternehmensgröße stimmig und passend war. Vor allem der Schwerpunkt auf Regionalität und Transparenz sowie die externe Auditierung war für uns das Entscheidungskriterium. Die Informations- und Datenaufbereitung sind stets eine Herausforderung, aber überaus lehrreich für das Unternehmen. Mit jedem Jahr spielen sich die Berichtsprozesse besser ein, werden ein paar blinde Flecken mehr erkundet und die Ergebnisse publiziert. Nach 4 Jahren Gemeinwohlbilanz war es Zeit weiterzugehen – Wir berichten nun zum 2. Mal nach VSME, einem Berichtsstandard auf europäischer Ebene, natürlich wieder in geprüfter Form. Windkraft Simonsfeld ist bekannt für Bürgerbeteiligung. Inwiefern fördern Sie den Dialog mit der lokalen Bevölkerung und wie können sich Mitarbeitende in diese regionale Verantwortung einbringen?
Birgitt Kleinschek, Abteilungsleiterin Kommunikation: Bürger*innenbeteiligung wird von der Windkraft Simonsfeld schon seit ihrer Gründung vor 30 Jahren auf mehreren Ebenen gelebt. Zum einen sind wir eine außerbörsliche Aktiengesellschaft, die zu 100% im Streubesitz von knapp 3.000 Klein-Aktionär*innen ist. Zum anderen wissen wir, dass das Verständnis und die Akzeptanz erneuerbarer Energieprojekte nur im Dialog entstehen kann – durch Transparenz, frühzeitigen Einbindung und Partizipationsmöglichkeiten. Bereits in frühen Projektphasen suchen wir aktiv das Gespräch mit Gemeinden, Anrainer*innen und lokalen Stakeholdern – etwa durch Informationsveranstaltungen, persönliche Gespräche oder unterschiedliche Modelle, je nach den Bedürfnissen des jeweiligen Projekts. Uns ist wichtig, Fragen offen zu beantworten, Anliegen ernst zu nehmen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Auch das Team spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Mitarbeitenden bringen sich regelmäßig bei regionalen Veranstaltungen ein, unterstützen Informationsformate und sind wichtige Botschafter*innen in ihrem Bekanntenkreis und lokalen Vereinen. Gleichzeitig versuchen wir, auch intern das Bewusstsein für die Verantwortung für Umwelt, Gesellschaft und nachhaltiges Wirtschaften immer weiter zu stärken.

Bild: Windkraft Simonsfeld
Die Energiewelt wandelt sich Richtung Speichertechnologien und intelligenter Netze. An welchen neuen Projekten arbeiten Sie derzeit, um die Energiewende in Österreich noch effizienter voranzutreiben?
Birgitt Kleinschek, Abteilungsleiterin Kommunikation: Die Energiewende entwickelt sich derzeit von einem reinen Ausbau erneuerbarer Erzeugung hin zu einem vernetzten Energiesystem. Genau daran arbeiten wir bei Windkraft Simonsfeld mit großem Fokus. Neue Wind- und Photovoltaikprojekten planen wir wo immer möglich als Hybrid-Parks mit Speicherlösungen. Wir sehen vor allem in der Kombination von PV, Wind und Batteriespeichern viel Potential. Durch diese integrierte Nutzung entsteht ein Energiesystem, das effizienter, flexibler und wirtschaftlicher ist, erneuerbares Stromangebot und Nachfrage können flexibler gestaltet werden und die Versorgungssicherheit weiter erhöht werden. Auch ein wichtiges Thema für uns sind Direktlieferverträge (PPAs) und auch Direktleitungen für die Industrie – auf diese Weise können wir die Dekarbonisierung der größten Stromabnehmer aktiv vorantreiben.
Entscheidend für die Zukunft ist der ambitionierte Netzausbau: hier wurde leider verabsäumt, die Stromnetze zeitgerecht dem rasch steigenden Strombedarf anzupassen. Wir unterstützen mit unserer Expertise, um auch hier rasch zu Lösungen zu kommen. Denn nur wenn die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden können, kann Energieunabhängigkeit von fossilen Brennstoffen erreicht werden.
Warum ist gerade jetzt der ideale Zeitpunkt, Teil der Windkraft Simonsfeld zu werden, und was macht Sie als Arbeitgeber in der Energiebranche einzigartig?
Martina Reicher, Abteilungsleiterin People & Culture: Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Teil der Windkraft Simonsfeld zu werden, weil das Unternehmen nicht nur wächst, sondern seine Organisation, Führung und Zusammenarbeit gezielt für die Zukunft weiterentwickelt. Mit dem Bezug des neuen Headquarters als ökologischem Leuchtturmprojekt und der laufenden Organisationsentwicklung entsteht ein Umfeld, in dem neue Kolleg*innen viel mitgestalten können. Gleichzeitig wird gezielt in Zukunftskompetenzen investiert – etwa durch den Ausbau interner Schulungen zu KI, Englisch und MS Teams. Wer jetzt einsteigt, kommt in eine Phase des Wachstums, in der sich professionelle Weiterentwicklung, kulturelle Gestaltung und sinnstiftende Arbeit besonders stark verbinden. Einzigartig als Arbeitgeber in der Energiebranche ist dabei die Verbindung aus echtem Klimabeitrag, wirtschaftlich getragener Nachhaltigkeit und moderner Arbeitskultur. Windkraft Simonsfeld bietet nicht nur Green Jobs, sondern übersetzt Sinn auch in den Arbeitsalltag. Dass dieses Modell wirkt, zeigen Kennzahlen wie 98 % Willkommenskultur bei neuen Mitarbeitenden und eine niedrige Fluktuation. Genau diese Kombination aus Energiewende, Mitgestaltung und Zukunftsorientierung macht Windkraft Simonsfeld zu einer Arbeitgeberin, die in der Branche heraussticht.
Lies auch: Interview mit dem Bundesverband Photovoltaic Austria
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Corinna Misterek studiert Kommunikations- und Medienwissenschaft. Sie ist in der Öffentlichkeitsarbeit und im Social-Media-Marketing tätig und sammelte internationale Erfahrung während eines Erasmus-Semesters in Malta. Thematisch interessiert sie sich besonders für nachhaltige Ernährung.
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