Von der Mission Null-Emission über plastikfreie Verpackungen bis hin zu fairen Lieferketten und familienfreundlichen Arbeitsmodellen: SONNENTOR zeigt, wie ökologische Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg zusammengehen.

Nachhaltigkeit endet bei SONNENTOR nicht beim Bio-Siegel. Das österreichische Unternehmen verfolgt mit seiner „Mission Null-Emission“ das Ziel, bis 2028 am Standort Sprögnitz vollständig auf fossile Emissionen zu verzichten. Gleichzeitig setzt der Kräuter- und Gewürzspezialist auf kreislauffähige Verpackungen, faire Partnerschaften entlang der gesamten Lieferkette und ein Wirtschaften nach den Prinzipien der Gemeinwohl-Ökonomie. Auch als Arbeitgeber steht das Miteinander im Mittelpunkt – von flexiblen Arbeitszeitmodellen über kostenlose Bio-Verpflegung bis hin zur eigenen Kinderbetreuung. Im Interview spricht SONNENTOR darüber, warum echte Emissionsreduktion wichtiger ist als reine Kompensation, wie nachhaltige Innovationen entstehen und weshalb Unternehmen eine zentrale Rolle beim ökologischen Wandel der Lebensmittelbranche spielen.

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INTERVIEW

JOBVERDE.at: Nachhaltigkeitsstrategie: Mit der „Mission Null-Emission“ hat SONNENTOR sich das Ziel gesetzt, bis 2028 am Standort Sprögnitz komplett frei von fossilen Emissionen zu sein. Welche konkreten Maßnahmen setzen Sie hier bereits um, und warum ist Ihnen dieser Weg der echten Reduktion wichtiger als der bloße Zukauf von CO₂-Zertifikaten?

Bild: Jana Urtz Stv. Pressesprecherin

Jana Urtz Stv. Pressesprecherin: Dass die Mission Null-Emission für uns ein realistisches Ziel darstellt, liegt in den vielen Projekten begründet, die SONNENTOR in den vergangenen Jahren umgesetzt hat. Im Bereich Mobilität setzen wir bereits auf einen großen Fuhrpark an E-Autos, die mit nachhaltigem Sonnenstrom betankt werden. Mitarbeiter:innen in leitenden Positionen stellen wir ein E-Fahrzeug zur Verfügung, um einen emissionsfreien Weg zur Arbeit zu ermöglichen. Unsere E-Tankstellen können darüber hinaus von allen Mitarbeiter:innen und auch von Besucher:innen kostenlos genutzt werden. Als Überbrückungslösung für weitere Strecken setzen wir derzeit HVO-Diesel ein, bis unser gesamter Fuhrpark vollständig elektrifiziert ist. HVO100 ist ein fossilfreier Kraftstoff aus Altspeiseöl und Abfällen, der in der Nutzung 90% weniger Emissionen verursacht als konventioneller Diesel.

Auch beim Energiebedarf setzen wir gezielt Maßnahmen. Der Sonnenstrom, mit dem wir unsere E-Autos betanken, wird direkt auf den Dächern unseres Standorts in Sprögnitz produziert. Die installierte Leistung unserer Photovoltaikanlagen beträgt 531 kWp. Den erzeugten Strom verbrauchen wir selbst, überschüssige Energie wird ins Netz eingespeist. Das macht uns unabhängiger von Preissteigerungen und möglichen Versorgungsengpässen. Seit knapp eineinhalb Jahren nutzen wir außerdem ein maßgeschneidertes Energiemonitoring, um unseren Strombedarf noch besser nachvollziehen zu können. Das Energiemonitoring ermöglicht mittlerweile auch das gestaffelte Laden von E-Autos, um den am Standort generierten Strom bestmöglich selbst nutzen zu können. Zum Heizen unserer Produktions- und Bürogebäude kommen eine Wärmepumpe und Hackschnitzel zum Einsatz. Die Hackschnitzelheizung wurde 2024 mit einem neuen Kessel ausgestattet, um die Verbrennung noch effizienter zu gestalten. Unsere Druckentwesung zur Behandlung von Kräutern und Gewürzen wird zu 100% mit biogenem CO2 gespeist, welches durch den Einbau eines Kompressors mehrmals verwendet werden kann. Durch den Kompressor konnten wir unseren CO2-Bedarf dafür in den vergangenen Jahren halbieren.  Auch wir kompensieren unsere verbleibenden Emissionen über den Ankauf von Zertifikaten. Für uns ist Kompensation jedoch eine Übergangslösung. Wir wollen dort Veränderungen bewirken, wo es uns möglich ist, und unserer Verantwortung für eine enkeltaugliche Zukunft nachkommen. Und wir sehen auch: Finanzielle Investitionen in nachhaltige Innovationen zahlen sich aus: So trifft uns die aktuelle Teuerung von Erdgas, Erdöl und Diesel weniger stark, weil wir – zumindest in unserer eigenen Produktion – nicht direkt auf sie angewiesen sind.

Innovation bei der Verpackung: Plastikvermeidung ist ein wichtiges Ziel in Ihrer Strategie. Welche innovativen Lösungen nutzen Sie aktuell, um Tee und Gewürze ökologisch zu verpacken, und wie viel Raum für Experimente und Tüftelarbeit gibt es innerhalb des Teams?

Wir setzen bei unseren Verpackungen auf nachhaltige Materialien, die unsere Produkte sowie deren Inhalt schützen und einen unbeschadeten Transport ermöglichen. Insgesamt können bereits 90 % unserer Verpackungen einem Rohstoffkreislauf zurückgeführt werden. Die Überverpackungen unserer Tees und Gewürze sind aus Karton, die Folien bestehen aus Holzfaser und sind für den Heimkompost zertifiziert – sie zersetzen sich dort innerhalb von ca. 42 Tagen. Die Doppelkammerbeutel unserer Tees bestehen aus Hartfasern der Textilbanane und Cellulosefasern aus Holz. Auch bei unseren anderen Verpackungslösungen setzen wir möglichst auf kreislauffähige Materialien. Unsere Sirupe, ätherischen Öle und der Honig werden in Glasbehälter abgefüllt. Wir verfolgen kontinuierlich neue Ansätze und Verbesserungen, um unseren internen Verpackungskriterien noch besser gerecht zu werden. Trotz herausfordernder rechtlicher Rahmenbedingungen bleiben wir offen für innovative Ideen, die unsere Verpackungslösungen weiterentwickeln und planen auch bewusst Recherchezeit dafür ein. 

Erfolg neu definieren – Die Gemeinwohl-Bilanz: Sie messen Ihren Erfolg nicht nur in Zahlen, sondern erstellen eine Gemeinwohl-Bilanz. Wie unterscheidet sich diese Form des Wirtschaftens ganz konkret von rein gewinnorientierten Unternehmen, wenn es zum Beispiel um die Budgetplanung oder Investitionen geht?

SONNENTOR wirtschaftet nach der Gemeinwohl-Ökonomie. Dabei handelt es sich um ein ethisches Wirtschaftsmodell, das das gesamte unternehmerische Tun umfasst und durch die Erstellung des Gemeinwohl-Berichts alle 2 Jahre messbar gemacht wird. Ganz nach dem Motto Sinnmaximierung statt Gewinnmaximierung werden unsere Gewinne in das Unternehmen, die Region und ein sinnvolles Miteinander investiert. SONNENTOR ist eigentümergeführt und unabhängig. Ein Großteil der Investitionen kann aus dem Cashflow investiert werden – eine Eigenkapitalquote von rund 80 Prozent macht es möglich. Werden Investitionen getätigt, werden diese bevorzugt in Kooperation mit Bauunternehmen aus der Region umgesetzt. In den Jahren 2023 bis 2025 wurden insgesamt 5 Millionen Euro in das eigene Unternehmen investiert, unter anderem in Form des CO2-Druckkompressors, der neuen Tee-Abfüllanlage „TEEodor“, der Digitalisierung der Produktion und bei unserem Schwesterunternehmen in Rumänien in den Bau einer neuen Halle.

Globale Fairness: Sie kombinieren regionale Wertschöpfung im Waldviertel mit direktem Handel weltweit. Wie stellen Sie sicher, dass faire Bedingungen und ökologische Standards bei jedem einzelnen Anbaupartner tatsächlich eingehalten werden?

Unser Ziel ist es, allen Menschen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein gutes Leben zu ermöglichen. Deshalb besuchen Kolleg:innen aus Einkauf, Qualitätsmanagement und unserer CSR-Abteilung unsere Lieferant:innen regelmäßig direkt vor Ort. Unser Verhaltenskodex (Code of Conduct) sichert unsere sozialen Standards entlang der Lieferkette und orientiert sich an internationalen Richtlinien. Dieser Code of Conduct wird von unseren Lieferant:innen unterzeichnet und legt die gemeinsame Wertebasis transparent dar. Gleichzeitig setzen wir auf langfristige Partnerschaften mit unseren Lieferant:innen weltweit und tragen so dazu bei, die Arbeitsbedingungen entlang der Lieferkette nachhaltig zu stärken und Vertrauen aufzubauen.

Um das Verständnis für faire und sichere Arbeitsbedingungen auch auf Seiten der Arbeitnehmenden in landwirtschaftlichen Lieferketten zu stärken, haben wir im vergangenen Jahr einen Comic entwickelt, der niederschwellig die Rechte von Arbeitnehmenden abbildet und erklärt, und damit zu ihrer Selbstermächtigung und Souveränität beiträgt. Sollte dennoch mal etwas schieflaufen, können sich Betroffene anonymisiert über ein Hinweisgeberportal an SONNENTOR wenden und werden in ihrem Anliegen unterstützt.

Das Miteinander im Fokus: Was macht SONNENTOR über das Bio-Sortiment hinaus zu einem nachhaltigen Arbeitgeber? Gibt es konkrete Angebote für das Team – etwa bei der Verpflegung vor Ort oder der Mobilität -, die Ihre Philosophie direkt am Arbeitsplatz erlebbar machen?

Ein wertschätzendes Miteinander ist bei SONNENTOR gelebte Praxis. Gegenseitige Anerkennung, ein respektvoller Umgang, die DU-Kultur sowie gegenseitiges Vertrauen sind für uns selbstverständlich und prägen unseren Arbeitsalltag. Darüber hinaus schaffen wir mit vielfältigen und flexiblen Arbeitszeitmodellen Rahmenbedingungen, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Mitarbeitenden eingehen. So ermöglicht die 4-Tage-Woche in der Produktion ein verlängertes Wochenende, während Gleitzeit ohne Kernarbeitszeit zusätzliche Flexibilität im Arbeitsalltag schafft. Auch Teilzeitkräfte können ihre Arbeitstage individuell einteilen. Insgesamt finden sich in der Unternehmensbilanz mehr als 150 aktive Zeitmodelle, die jeweils an das gewünschte Stundenausmaß angepasst sind.

Am Hauptstandort in Sprögnitz erhalten Mitarbeitende ein kostenloses Bio-Mittagessen und können zwischen mehreren Menüs wählen, mit vegetarischen und veganen Optionen. Ergänzt wird das Angebot durch ein Salatbuffet. Zudem spielt die betriebliche Gesundheitsförderung eine zentrale Rolle. Mit der Initiative SONNENG’sund bieten wir Workshops rund um Gesundheit und Wohlbefinden an und motivieren unsere Mitarbeitenden mit einem breiten und abwechslungsreichen Sportangebot zur Teilnahme. Dazu kommen regelmäßige Schwerpunktkampagnen, etwa zu zuckerfreier Ernährung oder im Rahmen von fe:male Power, sowie themenspezifische Workshops, Vorträge, Koch- und Backkurse.

Nachwuchs als Gestalter: Ein Praktikum oder eine Lehre bei SONNENTOR soll mehr als nur Fachwissen vermitteln. Wie stellen Sie sicher, dass „Green Skills“ und ökologisches Wissen nicht nur Theorie bleiben, sondern fester Bestandteil bei einem Praktikum oder einer Lehre bei SONNENTOR werden?

Neue Mitarbeitende bekommen eine umfassende Einschulung in alle Unternehmensbereiche. Basis hierfür ist ein Einschulungsplan. Eine Kombination aus informativen Einschulungsvideos, Schulungen durchgeführt von bestehenden Mitarbeitenden und Schnuppertagen in den Produktionsabteilungen gibt Lehrlingen und neuen Mitarbeitenden einen tiefgreifenden Einblick in Unternehmensabläufe sowie Wissen zu BIO und Nachhaltigkeit. Mit diesem intensiven Onboarding-Programm kann die gesamte Wertschöpfungskette kennengelernt und die Wichtigkeit qualitativ hochwertiger Rohwaren gut verstanden werden. Lehre oder Praktikum werden am Standort in Sprögnitz bzw. in den SONNENTOR Geschäften angeboten. So zum Beispiel eine Lehrausbildung im Bereich Lagerlogistik, Koch/Köchin oder im Einzelhandel.

Familie am Arbeitsplatz: Mit dem „Sonnenscheinchen“ haben Sie eine eigene betriebliche Tagesbetreuung direkt am Standort geschaffen. Welche Motivation und welche pädagogische Vision stecken hinter diesem Projekt? Wie beeinflusst die Anwesenheit der „kleinen Entdecker“ das Miteinander im Unternehmen und welche sozialen Ziele verfolgen Sie mit diesem Angebot über die reine Betreuung hinaus?

Das „SONNENSCHEINCHEN“ bietet unseren Mitarbeitenden eine Kinderbetreuungsmöglichkeit auf freiwilliger Basis, die sich an den Bedürfnissen der Eltern orientiert. Der Betriebskindergarten bietet eine Ganzjahresbetreuung mit einer Schließwoche im Sommer und zwei Wochen Pause über die Weihnachtszeit. Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren werden hier ganzjährig von einem herzlichen Team und einem Betreuungsschlüssel von eins zu fünf betreut. Die Werte von SONNENTOR prägen das sozialpädagogische Konzept: Der Alltag im SONNENSCHEINCHEN hat einen starken Bezug zu Natur und Garten. Der Kindergarten liegt direkt neben dem Naturgarten der Vielfalt am Frei-Hof und das SONNENTOR Wald-Reich ist ebenfalls nur einen kurzen Spaziergang entfernt. Auch Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle: Bastelprojekte mit ökologischen Materialien bringen den Kindern Recycling und Upcycling näher und Themen wie die richtige Mülltrennung werden ebenfalls thematisiert.

Darüber hinaus gibt es im Jahresablauf immer wieder auch Angebote für die Belegschaft, in die auch die Familie involviert werden kann – zum Beispiel Kräuterwanderungen für Mitarbeitende und ihre Kinder/Familie und heuer in den Sommerferien zum ersten Mal auch einen Kinderferienspieltag für die Kinder, bei dem der Arbeitsplatz der Eltern und die Welt der biologischen Kräuter und Gewürze kennengelernt werden kann.

Bewerber-Check: Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, Teil der „SONNENTOR-Familie“ zu werden und warum ist ein produzierendes Unternehmen wie SONNENTOR ein guter Ort, um den ökologischen Wandel der Lebensmittelbranche aktiv und messbar mitzugestalten?

SONNENTOR steht als gemeinwohlorientiertes Unternehmen seit 37 Jahren für wirtschaftlichen Erfolg gepaart mit echter Verantwortung für Mensch, Natur und Umwelt. Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Teil der „SONNENTOR Familie“ zu werden, weil nachhaltiges Wirtschaften längst kein Zukunftsthema mehr ist, sondern eine konkrete Aufgabe unserer Gegenwart. Immer mehr Menschen achten bewusst darauf, wie Lebensmittel produziert werden, woher Rohstoffe stammen und welche Auswirkungen unternehmerisches Handeln auf Umwelt und Gesellschaft hat. SONNENTOR zeigt, dass ökologische Landwirtschaft, faire Partnerschaften und hochwertige Produkte erfolgreich zusammengehören — und genau daran aktiv mitzuarbeiten, ist besonders sinnstiftend und für viele Arbeitnehmer:innen essentiell.

Nachhaltigkeit wird bei uns täglich sichtbar und jede und jeder kann bei uns im SONNENTOR Team Teil des großen Ganzen sein und aktiv an der Gestaltung unserer Zukunft mitwirken. Eine Sinn-Winn-Situation für alle Seiten. SONNENTOR zeigt, dass nachhaltiges Wirtschaften weit über ökologische Produkte hinausgeht. Mit Investitionen in erneuerbare Energien, klimafreundliche Mobilität, kreislauffähige Verpackungen und faire Lieferketten verfolgt das Unternehmen einen ganzheitlichen Ansatz, der ökologische, soziale und wirtschaftliche Verantwortung miteinander verbindet. Gleichzeitig machen flexible Arbeitsmodelle, Gesundheitsangebote und familienfreundliche Strukturen Nachhaltigkeit auch im Arbeitsalltag erlebbar. Das Interview verdeutlicht: Der Wandel zu einer zukunftsfähigen Lebensmittelbranche gelingt nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch konsequentes Handeln entlang der gesamten Wertschöpfungskette – und genau hier will SONNENTOR mit gutem Beispiel vorangehen.

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Corinna Misterek

Corinna Misterek studiert Kommunikations- und Medienwissenschaft. Sie ist in der Öffentlichkeitsarbeit und im Social-Media-Marketing tätig und sammelte internationale Erfahrung während eines Erasmus-Semesters in Malta. Thematisch interessiert sie sich besonders für nachhaltige Ernährung.

Kategorien: InterviewsMagazin

Corinna Misterek

Corinna Misterek studiert Kommunikations- und Medienwissenschaft. Sie ist in der Öffentlichkeitsarbeit und im Social-Media-Marketing tätig und sammelte internationale Erfahrung während eines Erasmus-Semesters in Malta. Thematisch interessiert sie sich besonders für nachhaltige Ernährung.

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