Photovoltaik entwickelt sich in Österreich rasant zu einer der wichtigsten Säulen der Energiewende. Mit einer installierten Leistung von knapp 10 Gigawatt deckt Solarstrom bereits rund 15 Prozent des heimischen Stromverbrauchs. Im Interview erklärt der Bundesverband Photovoltaic Austria, welche politischen Weichen jetzt gestellt werden müssen, warum Stromspeicher immer wichtiger werden und welche spannenden Karrierechancen die Solarbranche für Fachkräfte, Berufseinsteiger:innen und Quereinsteiger:innen bietet.
INTERVIEW

Bild: VERA IMMITZER, GESCHÄFTSFÜHRERIN – Copyright: Thomas Unterberger
JOBVERDE.at: Welchen Beitrag leistet Photovoltaik aktuell zur Stromversorgung in
Österreich und welche Vision verfolgt ihr Verband für Österreichs Energiezukunft?
Vera Immitzer: Photovoltaik (PV) hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer tragenden Säule des österreichischen Stromsystems entwickelt. Der Ausbau hat sich über die Jahre immer weiter be- schleunigt, weil immer mehr Haushalte, Betriebe und Regionen zu Photovoltaik- und Strom- speicherlösungen greifen. Damit wächst der Anteil der erneuerbaren Energien stetig, die regionale Versorgungssicherheit wird stärker und der Strompreis wird unabhängig von Krisen im Ausland. Heute stehen wir bei einer gesamt installierten PV-Leistung von knapp 10 Giga- watt peak, wodurch rund 15 Prozent des heimischen Stromverbrauchs abgedeckt werden können Die Vision von Photovoltaic Austria ist ein auf erneuerbaren Quellen basierendes Energie- system, das eine unabhängige und wirtschaftlich stabile Energieversorgung für Österreich gewährleistet. Unsere Mission als Bundesverband ist es, uns dafür einzusetzen, dass die Rahmenbedingungen für Photovoltaik und Stromspeicherung in Österreich entlang der ge- samten Wertschöpfungskette (Produktion, Handel und Gewerbe) ständig verbessert werden, damit die Vision zur Realität wird.
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Politische Rahmenbedingungen: Welche politischen und regulatorischen Entwicklungen sind aktuell entscheidend für die Photovoltaik-Branche?
Entscheidend ist der notwendige Ausbau von Photovoltaik und Batteriespeichersystemen so- wie deren intelligente Integration in die Netzinfrastruktur, um die österreichischen Klimaziele zu erreichen. Dafür sind stabile Rahmenbedingungen und Planungssicherheit erforderlich. Aktuell steht die Erarbeitung des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) im Fokus, damit erneuerbare Kraftwerke rascher umgesetzt werden können. Genauso wichtig ist es, das bereits beschlossene Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) mit Leben zu befüllen, damit die neu entstandenen Möglichkeiten auch schnell und umfassend genutzt werden. Au- ßerdem braucht es dringend eine Speicheroffensive – mit klarem Ausbaupfad, gezielten An- reizen und dem Abbau regulatorischer Hürden, um Photovoltaik und Stromspeicherung opti- mal miteinander zu verzahnen.
Welche konkreten Aufgaben übernimmt Ihr Verband als Interessenvertretung und für welche Akteure setzen Sie sich ein?
Photovoltaic Austria versteht sich als kompetenter, institutioneller Ansprechpartner für Photo- voltaik, Energiemanagement und Stromspeicherung. Als zentrale Interessenvertretung in die- sem Bereich sind wir als Kompetenzzentrum vermittelnd zwischen Wirtschaft, Energie, Poli- tik und Gesellschaft tätig.
Zu unseren konkreten Aufgaben gehören vor allem:
- die Vertretung von Interessen der Branche gegenüber Vertreter*innen der Politik,
- die kompetente und fachliche Beratung zu diversen Themen rund um Photovoltaik und Stromspeicherung,
- eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation mit unseren Mitgliedern,
- die Gewährleistung eines Angebots relevanter Informationen und Weiterbildungs-
möglichkeiten, - die Mitwirkung bei der Erarbeitung von Qualitätsstandards und
- die Vernetzung innerhalb der Branche voranzutreiben.

Bild: SE_REF_HPIC_Batangas_03©Fronius-1
Wie hat sich der Arbeitsmarkt im Bereich Solarenergie in den letzten Jahren entwickelt und welche Trends beobachten Sie aktuell?
Die Solarbranche zählt aktuell zu einem der dynamischsten Arbeitsmärkte im Energiesektor. Ein starker Ausbau der PV- und Stromspeichertechnologie wirkt sich auch positiv auf den Ar- beitsmarkt und die Nachfrage nach Fachkräften aus. Da sich die Technologie stets weiterent- wickelt und heute vor allem eine intelligente, flexible Anwendung im Vordergrund steht – die mit steigender Digitalisierung einhergeht – verändern sich die Anforderungen. Heute entste- hen neue Berufsbilder an der Schnittstelle von Energie, Software und Datenmanagement.
Welche Berufsbilder und Qualifikationen sind in der Photovoltaikbranche gefragt und welche Einstiegsmöglichkeiten gibt es für junge Talente oder Quereinsteiger:innen?
Die Branche bietet heute ein sehr breites Spektrum an Berufsmöglichkeiten. Gesucht werden natürlich elektrotechnische Fachkräfte, wie Elektrikerinnen und technische Planerinnen so- wie Fachkräfte aus Handwerksberufen, wie Dachdeckerinnen oder Monteurinnen. Zusätz- lich braucht es aber auch Fachkräfte aus anderen Bereichen wie zum Beispiel IT, Projektma- nagement, Vertrieb, Kommunikation und solche mit regulatorischen Kenntnissen. Wer ein In- teresse an der Verbindung aus Technik, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Wirkung hat, hat gute Chancen in der Branche Fuß zu fassen.
Für junge Talente gibt es Einstiegsmöglichkeiten über Lehren, HTLs, Fachhochschulen oder universitäre Studiengänge. Gleichzeitig entstehen immer mehr Weiterbildungsangebote für Quereinsteiger*innen. Auch die von PV Austria gemeinsam mit der TÜV Austria Akademie angebotenen Aus- und Weiterbildungskurse werden von der Branche gerne genutzt, um neues Personal entsprechend zu schulen, aber auch um sich beispielsweise im Bereich der PV-Normenlandschaft wiederkehrend auf den aktuellen Stand zu bringen.
Technische Berufsfelder sind häufig männerdominiert. Welche Initiativen
setzt der Verband oder die Branche, um gezielt mehr Frauen für die Photovoltaik zu
gewinnen und langfristig zu fördern?
Die Photovoltaik- und Stromspeicherbranche bietet vielfältige Arbeitsbereiche. Sie besteht neben technischen Berufsfeldern vor allem aus Berufen in Projektmanagement, Kommunika- tion, Beratung, Bildung oder Energiepolitik, um nur ein paar Beispiele zu nennen. So ein viel- fältiges Spektrum an Berufen sucht dementsprechend vielfältige Perspektiven und Qualifika- tionen. Bei Photovoltaic Austria zeigt sich das auch im eigenen Team: wir arbeiten in einem diversen Umfeld in fachlichen, organisatorischen und leitenden Rollen – das ist Ausdruck einer modernen Branche, in der unterschiedliche Hintergründe und Kompetenzen selbstver- ständlich miteinander arbeiten. Wir versuchen diese Vielfalt der Berufsmöglichkeiten in der Branche sichtbar zu machen.
Warum ist gerade jetzt ein guter Zeitpunkt, sich beruflich mit erneuerbaren Energien, speziell mit Photovoltaik, zu beschäftigen?
Weil jetzt aus der Energiewende als Zukunftsvision ein konkreter Wirtschafts- und Infrastruk- turumbau wird. Photovoltaik ist dabei eine Schlüsseltechnologie mit hoher gesellschaftlicher Relevanz, langfristigen Wachstumschancen, technologischen Innovationen und vor allem bietet sie sinnstiftende Arbeit. Wer in die Branche einsteigt, wird aktiv Teil eines transformati- ven Prozesses, der unsere Zukunft nachhaltig verändert.
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