Im Interview erklärt Fronius, wie langlebige Produkte, Reparaturfähigkeit, erneuerbare Energien und eine werteorientierte Unternehmenskultur die Nachhaltigkeitsstrategie prägen – und warum Mitarbeitende dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Nachhaltigkeit ist bei Fronius weit mehr als ein Schlagwort. Das österreichische Familienunternehmen verbindet seit über 80 Jahren technologische Innovation mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Von langlebigen Wechselrichtern und intelligenten Energiesystemen über konsequente Kreislaufwirtschaft bis hin zu erneuerbaren Energien an den eigenen Standorten verfolgt Fronius einen ganzheitlichen Ansatz. Im Interview spricht das Unternehmen darüber, wie Nachhaltigkeit im Arbeitsalltag gelebt wird, welche Rolle Vielfalt und Weiterbildung spielen und welche Meilensteine auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Zukunft bereits erreicht wurden.

JOBVERDE.at: Hinter den technischen Lösungen für die Energiewende steckt bei Fronius eine Philosophie, die über das reine Produkt hinausgeht. Können Sie skizzieren, wie Ihre aktuelle Nachhaltigkeitsstrategie aufgebaut ist und welches große Ziel Ihr Handeln in der täglichen Praxis leitet?

Daniel Lindinger (Fronius International GmbH): Nachhaltigkeit ist für uns nicht Wertverbrauch im Heute, sondern Werterhalt für Morgen. Unsere Verantwortung ist es, ökonomisch, sozial und ökologisch ausgewogene Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Wir haben die Verpflichtung die Interessen aller, auf die unser Handeln wirkt, zu berücksichtigen. Dieser Gedanke ist bei uns tief verwurzelt und wird seit den Anfängen unserer Firmengeschichte gelebt. Schon 1945, also vor mehr als 80 Jahren, baute Unternehmensgründer Günter Fronius ein Gerät, mit dem Autobatterien wieder geladen und somit länger verwendet werden können. Er verband die damals knappen Ressourcen mit Erfindergeist. Dieser optimistische Blick auf Lösungen und der Glaube, dass es immer besser geht, treiben uns bis heute an.

Mit einer Recyclingquote von 72 % und dem Ziel, Abfälle möglichst zu vermeiden, verfolgt Fronius einen konsequenten Kreislaufansatz. Welche Rolle spielen dabei die Teams in der Produktentwicklung und Fertigung – und wie wird ressourcenschonendes Denken in der täglichen Arbeit verankert?

Wir erlauben uns anzumerken, dass Recycling nur der letzte Schritt unserer Kreislaufwirtschaft darstellt. Unser Ansatz verfolgt davor eine besonders lange Nutzungsdauer unserer Geräte mit hoher Effizienz, gefolgt von möglichen Reparaturen bis hin zu Harvesting, Remanufacturing und Refurbishment. Für eine Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft schließen wir themenbezogen mehrere Fachbereiche zusammen – von der Entwicklung über die Fertigung bis hin zum Marketing. Die Forschung und Entwicklung erhebt beispielsweise alle notwendigen Daten, lässt sie in unsere extern geprüften LCAs (Life-Cycle-Assessments) einfließen, und kann daraus evidenzbasiertes Management betreiben. Das ist unser Anspruch, das ist unser Erfolgsrezept in der Produktnachhaltigkeit, die uns einen Wettbewerbsvorteil sichert. Darüber hinaus sondieren wir neue Themen wie „Full-Cost-Accounting“, da wir die Geldflüsse in einem komplexen System verstehen möchten.

Wir verankern das ressourcenschonende Denken in der täglichen Arbeit seit jeher. Fronius steht für hohe Qualität und hat sich dahingehend einer langen Haltbarkeit der Geräte inklusive hoher Effizienz und Effektivität sowie bestmöglicher Reparierbarkeit verschrieben. Das ist die Basis unserer Produktentstehung. Reparatur hat bei uns generell eine lange Tradition, wir betreiben eigene Repair Center, die selbst 40 Jahre alte Geräte wieder in Schuss bringen. Da unsere Produkte sehr nutzungsintensiv sind, ist die Nutzungsphase hinsichtlich Umweltimpact die wichtigste. Etwas mehr Rezyklatanteil in einem Kunststoffgehäuse eines Schweißgerätes hat kaum einen Mehrwert. Ein besserer Wirkungsgrad oder weniger Spritzer beim Schweißen bringen hingegen sehr viel. Das ist die Ressourcenschonung, die wir verfolgen – und diese basiert auf wissenschaftsorientierten Berechnungen.

Mit Wechselrichtern, Speicherlösungen und Ladetechnik trägt Fronius direkt zur Energiewende bei. Wie erleben Ihre Mitarbeitenden den Sinn ihrer Arbeit im Alltag – und welche Möglichkeiten gibt es, an innovativen Projekten wie Wasserstofftechnologien oder intelligenten Energiesystemen mitzuwirken?

Wir nehmen ein grundlegendes Interesse unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Zukunftsthemen wie der Energiesicherheit wahr. Viele von ihnen haben selbst Fronius Systeme zu Hause, erleben dadurch hautnah den Mehrwert und bringen wiederum aktiv Verbesserungsvorschläge und neue Ideen ein. Wir eruieren laufend, wo wir im Energiesystem weitere Kompetenzen besetzen können, um noch tiefer und breiter an der Energiewende teilzunehmen. An Wasserstofftechnologien arbeiten wir derzeit nicht.

95 % der Energie an den österreichischen Standorten stammen bereits aus erneuerbaren Quellen. Welche weiteren Maßnahmen – etwa bei Mobilität, Verpflegung oder Büroausstattung – machen die Nachhaltigkeitsphilosophie für das Team im Alltag spürbar?

Wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen, dann meinen wir nicht nur die ökologischen Gesichtspunkte, sondern auch die soziale Verantwortung und ein gewissenhaftes Wirtschaften. Wir sind ein Arbeitgeber mit Handschlagqualität, schaffen langfristige Karrierewege und zukunftsorientierte Jobs mit Mehrwert. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren von vielfältigen Angeboten zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung sowie von zahlreichen freiwilligen Benefits. So führen wir beispielsweise unsere Betriebsrestaurants in Eigenregie und legen bei der Beschaffung der Zutaten sehr viel Wert darauf, dass die Produkte direkt aus der Region stammen und in bester Qualität verfügbar sind. Außerdem begrüßen wir im Fronius KinderLand ganzjährig den Nachwuchs der Mitarbeitenden. Durch angepasste Öffnungszeiten, die zentrale Lage und laufende Einstiegsmöglichkeiten können wir bestmöglich auf die Bedürfnisse der Eltern eingehen.

Darüber hinaus unterstützen wir die klimafreundliche Anreise zu Fronius – egal, ob mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Elektrofahrzeug oder dem Fahrrad. Wir bieten überdachte Radabstellplätze, Service-Boxen mit Werkzeug und Ladestationen für E-Bikes, die kostenlos verwendet werden dürfen. Das gilt auch für das Laden von Elektrofahrzeugen. Wer mit dem Bus oder der Bahn unterwegs ist, bekommt die Kosten des Öffi-Tickets zwischen Wohnort und Fronius Standort rückerstattet.

Vielfalt wird bei Fronius über viele Dimensionen hinweg gelebt – von der interkulturellen Zusammenarbeit bis zur Inklusion von Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Welche Schwerpunkte setzen Sie aktuell in Ihrer Diversity-Strategie, um ein wirklich chancengerechtes Umfeld zu schaffen, und wie unterstützen Sie zum Beispiel die Entwicklung von Frauen in technischen Berufsfeldern und Führungspositionen?

Wir dulden weder Diskriminierung noch Mobbing. Bei Fronius sehen wir Vielfalt als Chance und fördern die unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und Kompetenzen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir heißen Menschen unabhängig von Geschlecht, Alter, kulturellem, nationalem oder ethnischem Hintergrund willkommen und fördern sie gezielt. Dieses Selbstverständnis ist in unseren Fronius Werten und dem Verhaltenskodex festgehalten. Geht es um die gezielte Entwicklung von Frauen in technischen Berufsfeldern und Führungspositionen, so setzen wir ebenfalls Zeichen: Im Rahmen des Frauennetzwerks PRISMA treffen sich beispielsweise Fronius Mitarbeiterinnen, die einen technischen Beruf ausüben bzw. in einem technischen Bereich arbeiten, zum Austausch. Ziel ist es, sich zu vernetzen, an gemeinsamen Themen zu arbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen. Außerdem sind wir als Gründungsmitglied aktiv an der Stiftung MINTality beteiligt. Sie möchte Frauen für technische Berufe begeistern, Teams diverser machen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Fronius CEO Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß ist Vorsitzende des Aufsichtsrats der MINTality-Stiftung.

Fronius investiert stark in Weiterbildung. Welche Programme bieten Sie an und wie stellen Sie sicher, dass auch Themen wie Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und neue Technologien fest in der Aus- und Weiterbildung verankert sind?

Alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Zugang zu einem Bildungsprogramm, das jährlich neu aufgelegt wird. Das Programm legt einen Schwerpunkt auf Methoden- und Sozialkompetenz sowie Trainings zur persönlichen Weiterentwicklung. Wir stellen kontinuierlich sicher, dass die Inhalte an den Bedarf des Unternehmens sowie gesellschaftliche und technologische Trends angepasst werden. Durch einen zeit- und ortsunabhängigen Zugriff handelt es sich um einen sehr nachhaltigen Wissenstransfer, der zentral gesteuert und von professionellen internen Fachleuten und externen Trainern bereitgestellt wird. Im aktuellen Programm stecken wir das Thema „neue Technologien“ unter anderem mit Talks und Workshops rund um künstliche Intelligenz, Cybercrime Awareness und digitale Medien ab. Die Bereiche „Nachhaltigkeit“ und „Kreislaufwirtschaft“ berücksichtigen wir im Talk „Recycling rettet unsere Welt. „Nicht.“ sowie den Trainings „Lean Thinking“ und „Qualität ist (m)eine Einstellung“.

Welche Meilensteine für eine grüne Zukunft stehen als Nächstes bei Fronius Österreich an?

Wir achten innerhalb des Unternehmens in allen Bereichen auf den schonenden Einsatz von Energie und Ressourcen und eine entsprechende Reduktion von Treibhausgasen. Ziel ist es, dass wir an den österreichischen Standorten vollständig von der Nutzung fossiler Energieträger auf erneuerbare Energiequellen umstellen und weitere Energieeffizienzmaßnahmen umsetzen. Während wir Erdöl bereits nicht mehr verwenden, ersetzen wir zunehmend den noch geringen Bedarf an Erdgas an den Vertriebsstandorten in Österreich vollständig. Ein wesentlicher Teil der für Heizung und Kühlung benötigten Energie wird aus der Umwelt (Außenluft und Erdsonden) bezogen. Die Stromversorgung erfolgt durch eigenerzeugten Photovoltaikstrom und zugekauftem Ökostrom. Unsere Photovoltaikanlagen an den österreichischen Standorten umfassen eine Leistung von 4,4 Megawatt-Peak (MWp). Somit stammen mittlerweile 97 % der benötigten Energie aus erneuerbaren Quellen, davon 24 % aus der Nutzung von Umgebungswärme durch Wärmepumpensysteme, 7 % aus selbst erzeugtem Strom aus Photovoltaik-Anlagen, 3 % aus Biomasse, 62 % aus zugekauften Ökostrom und 1 % aus zugekaufter Fernwärme aus einem Biomasseheizwerk.

Auch durch den Verkauf unserer Produkte leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende. Allein im Jahr 2025 wurden weltweit mehr als 219.000 Fronius Wechselrichter installiert, die eine Gesamtleistung von etwa 2,7 GW an Erneuerbarer Energie bringen. Es gibt damit insgesamt rund 4,3 Million installierte Fronius Wechselrichter mit einer Gesamtleistung von mehr als 42 Gigawatt. Mit dem Verkauf von ca. 36.000 Ladestationen für Elektrofahrzeuge haben wir darüber hinaus einen bedeutenden Beitrag zur nachhaltigen Mobilität geleistet. Somit treiben wir auch die CO2-freie Mobilität voran. Wir gehen an unseren Standorten und in Bezug auf unsere Produkte den eingeschlagenen Weg weiter, um zu einer grünen Zukunft beizutragen.

Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, Teil von Fronius zu werden – und was unterscheidet Sie als Arbeitgeber von anderen Unternehmen in der Technologie- und Energiebranche?

Wir vergleichen uns nur ungern mit anderen Unternehmen. Wir wollen authentisch sein und gemeinsam mit der gesamten Belegschaft klare Ziele verfolgen. Es sind die Menschen, die Fronius zu dem Unternehmen machen, das es ist. Durch unseren Zusammenhalt und unsere Gemeinschaft meistern wir alle Herausforderungen. Wir sind stolz auf unsere wertschätzende Wir-Kultur auf Augenhöhe. Außerdem garantieren wir Sicherheit. Als Familienunternehmen finanzieren wir unser Wachstum aus eigener Kraft, dadurch bleiben wir unabhängig von Finanzinstituten und Investoren. Dies bietet uns den nötigen Freiraum, den es braucht, um innovative Lösungen zu entwickeln und unseren Fokus auf jene Bereiche zu legen, die wir langfristig als wichtig erachten.

Das Fazit zum Interview

Fronius zeigt, dass nachhaltiges Wirtschaften weit über Recycling und Klimaschutz hinausgeht. Im Mittelpunkt stehen langlebige Produkte, Reparierbarkeit, wissenschaftsbasierte Entscheidungen und eine Unternehmenskultur, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Verantwortung gleichermaßen berücksichtigt. Mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien, innovativen Lösungen für die Energiewende und einem starken Fokus auf Mitarbeitende und Weiterbildung verfolgt das Familienunternehmen einen langfristigen Kurs. Damit positioniert sich Fronius nicht nur als Technologietreiber der Energiewende, sondern auch als attraktiver Arbeitgeber für Menschen, die aktiv an einer nachhaltigen Zukunft mitwirken möchten.

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Corinna Misterek

Corinna Misterek studiert Kommunikations- und Medienwissenschaft. Sie ist in der Öffentlichkeitsarbeit und im Social-Media-Marketing tätig und sammelte internationale Erfahrung während eines Erasmus-Semesters in Malta. Thematisch interessiert sie sich besonders für nachhaltige Ernährung.

Kategorien: InterviewsMagazin

Corinna Misterek

Corinna Misterek studiert Kommunikations- und Medienwissenschaft. Sie ist in der Öffentlichkeitsarbeit und im Social-Media-Marketing tätig und sammelte internationale Erfahrung während eines Erasmus-Semesters in Malta. Thematisch interessiert sie sich besonders für nachhaltige Ernährung.

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