Kein Lehrberuf wird in Österreich von so vielen jungen Männern gewählt wie Elektrotechnik – und trotzdem fehlen in allen Bundesländern Fachkräfte. Was Elektrotechniker:innen und Elektroenergietechniker:innen verdienen, wie man in den Beruf kommt und wo die Jobs sind.

Elektrotechniker:innen-Jobs in Österreich

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Sieben Uhr früh, ein Einfamilienhaus im Mühlviertel. Auf dem Dach liegen die Photovoltaikmodule schon in Reihen, im Keller hängt der neue Zählerschrank noch offen, daneben steht die Wärmepumpe, die heute in Betrieb gehen soll. Die Familie hat monatelang geplant, Förderungen beantragt, Angebote verglichen. Doch bevor hier auch nur eine Kilowattstunde fließt, muss jemand Leitungen ziehen, die Anlage anschließen, messen und prüfen. Das ist die Arbeit von Elektrotechniker:innen – und genau sie sind in Österreich knapp.

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Ende 2025 lernten 9.030 Burschen den Beruf Elektrotechnik, mehr als in jedem anderen Lehrberuf. Unter den zehn häufigsten Lehrberufen der Mädchen taucht er dagegen nicht auf, so die Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer. Trotzdem steht die Elektrotechnik 2026 wieder auf der bundesweiten Mangelberufsliste. Der Grund: Bis 2040 müssen laut dem Österreichischen Verband für Elektrotechnik (OVE) rund 44 Milliarden Euro in die Stromnetze fließen. Die Nachfrage wächst schneller als der Nachwuchs, und dieser kommt bisher vor allem aus einer Hälfte der Bevölkerung.

Was machen Elektrotechniker:innen und Elektroenergietechniker:innen?

Wer verstehen will, warum gerade diese Fachkräfte fehlen, muss zuerst wissen, was sie tun. Elektrotechnik ist seit 2024 ein Modullehrberuf. Nach einer gemeinsamen Grundausbildung spezialisieren sich Lehrlinge laut Wirtschaftsministerium in einem von vier Hauptmodulen: Elektro- und Gebäudetechnik, Energietechnik, Anlagen- und Betriebstechnik oder Automatisierungs- und Prozessleittechnik. Wer im Alltag von Elektrotechniker:innen spricht, meint meist die Gebäudetechnik: Leitungen verlegen, Verteiler bauen, Photovoltaikanlagen und Wallboxen anschließen. Wie sich allein die Solarbranche entwickelt, zeigt unser Beitrag zu Photovoltaik in Österreich. Elektroenergietechniker:innen arbeiten eine Ebene größer, an Kraftwerken, Umspannwerken, Freileitungen und Erdkabeln. Ihr Lehrweg ist das Hauptmodul Energietechnik. Auf höherer Ebene planen HTL-Absolvent:innen und Ingenieur:innen Anlagen und Netze und leiten Baustellen.

Wie gefragt sind Elektrotechniker:innen in Österreich?

Sehr. Die Fachkräfteverordnung 2026 listet 64 bundesweite Mangelberufe, und die Elektrotechnik ist mehrfach vertreten, von der Elektroinstallation bis zu Techniker:innen für Starkstromtechnik. Im Oktober 2026 meldete das AMS für Elektrotechnik-Berufe allein in Oberösterreich rund 1.940 offene Stellen, in der Steiermark rund 1.000 und in Wien rund 800. Erfasst sind nur die gemeldeten Stellen. Auch auf höherem Niveau ist die Lücke groß: Der Elektro- und Elektronikindustrie fehlen laut einer vom OVE zitierten Studie 3.400 HTL-Absolvent:innen.

Treiber ist die Energiewende. Strom soll künftig Autos antreiben und Häuser heizen, und er kommt zunehmend aus Sonne und Wind. Dafür müssen Netze verstärkt, Umspannwerke gebaut und Millionen kleiner Anlagen angeschlossen werden. Jeder Euro der Netzinvestitionen braucht am Ende Hände, die diese Arbeit machen.

Wo finden Elektrotechniker:innen in Österreich Jobs?

Das Berufslexikon des AMS nennt als Arbeitgeber Elektroinstallationsbetriebe, Energieversorger und Netzbetreiber, Industrie und Anlagenbau, Verkehrsbetriebe, Bauunternehmen, Telekommunikationsfirmen und den öffentlichen Dienst. Am stärksten gesucht wird dort, wo die Energiewende gebaut wird: im Netzausbau, bei Photovoltaik, Speichern, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur.

Die größte Sammlung offener Stellen bietet die AMS-Jobsuche „Alle Jobs“, daneben Portale wie karriere.at oder StepStone. Auch auf unserer Jobbörse jobverde.at kannst du nach Stellen in der Elektrotechnik suchen. Energieversorger und Industriekonzerne schreiben Stellen zudem auf ihren eigenen Karriereseiten aus, bei kleineren Elektrobetrieben kann sich eine Initiativbewerbung lohnen.

Elektrotechniker:innen-Jobs in Österreich

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Was verdienen Elektrotechniker:innen in Österreich?

Wie viel man verdient, hängt in Österreich zuerst vom Kollektivvertrag ab, denn er legt die Untergrenze fest. In Elektrobetrieben des Gewerbes gilt der Kollektivvertrag des Metallgewerbes: Seit 1. Jänner 2026 liegt der Mindestlohn laut Lohnordnung der Wirtschaftskammer für Facharbeiter:innen bei 2.948,85 Euro brutto im Monat, für Spitzenfacharbeiter:innen bei 3.808,83 Euro. In der Elektro- und Elektronikindustrie reichen die Mindestlöhne seit Mai 2026 von rund 2.550 bis 8.710 Euro. Ausbezahlt wird 14-mal im Jahr, dazu kommen je nach Job Zulagen. Gerade in Mangelberufen wird oft mehr als der Kollektivvertrag bezahlt.

Lehrlinge bekommen im Metallgewerbe 2026 im ersten Lehrjahr 1.000 Euro brutto, im vierten 2.000 Euro. In der Industrie beginnt das Lehrlingseinkommen bei 1.260,23 Euro.

Wie wird man Elektrotechniker:in in Österreich?

Drei Wege führen in den Beruf. Die Lehre dauert dreieinhalb Jahre, mit Zusatzmodul vier, und lässt sich mit der Matura kombinieren. Die fünfjährige HTL schließt mit Matura und Diplom ab, die vierjährige Fachschule ohne Matura. Studiengänge in Elektrotechnik und Energietechnik bieten Technische Universitäten und Fachhochschulen an, viele davon berufsbegleitend.

Keiner dieser Wege ist eine Sackgasse. Nach der Lehre stehen Werkmeisterschule, Meisterprüfung und Berufsreifeprüfung offen. Den Titel „Ing.“ können HTL-Absolvent:innen nach drei Jahren Praxis und einem Fachgespräch erwerben, Meister:innen und Lehrabsolvent:innen über die Berufsreifeprüfung und längere Praxis. Wer einen eigenen Betrieb gründen will, braucht für das reglementierte Gewerbe in der Regel die Befähigungsprüfung mit fünf Modulen.

Kann man als Quereinsteiger:in Elektrotechniker:in werden?

Wenn der Nachwuchs aus Lehre und Schule nicht reicht, rücken drei Gruppen in den Blick: Erwachsene, die umsteigen wollen, Frauen und Fachkräfte aus dem Ausland. Für die erste Gruppe gibt es gute Wege. Über die Facharbeiterintensivausbildung (FIA) des AMS holen Erwachsene ab 18 Jahren den Lehrabschluss in rund 18 Monaten nach und sind währenddessen in der Regel finanziell abgesichert. Wer schon länger in einem Elektrobetrieb arbeitet, kann auch direkt zur außerordentlichen Lehrabschlussprüfung antreten.

Wie kommen mehr Frauen in die Elektrotechnik?

Die zweite Gruppe sind Frauen. Die eingangs zitierte Lehrlingsstatistik zeigt das Missverhältnis deutlich. Eine aktuelle Zahl zum Frauenanteil im Beruf veröffentlichen weder AMS noch WKO. Weil die Berufswahl meist schon mit 14 oder 15 Jahren fällt, setzen Initiativen wie der Töchtertag oder das AMS-Programm „Frauen in Handwerk und Technik“ früh an. Für eine Branche, der Fachkräfte fehlen, ist das keine Imagefrage, sondern eine wirtschaftliche: Jede Frau, die sich für den Beruf entscheidet, ist eine Fachkraft mehr.

Wie können Elektrotechniker:innen aus dem Ausland in Österreich arbeiten?

Die dritte Gruppe sind Fachkräfte aus dem Ausland. Bürger:innen aus der EU, dem EWR und der Schweiz brauchen keine Arbeitserlaubnis. Fachkräfte aus Drittstaaten können die Rot-Weiß-Rot-Karte für Mangelberufe beantragen. Nötig sind ein Jobangebot mindestens auf Kollektivvertragsniveau, eine abgeschlossene Ausbildung und 55 von 90 Punkten für Qualifikation, Berufserfahrung, Sprachkenntnisse und Alter. Ausländische Lehrabschlüsse kann das Wirtschaftsministerium nach § 27a Berufsausbildungsgesetz einem österreichischen gleichhalten. Deutsche, ungarische und Südtiroler Abschlüsse gelten automatisch als gleichwertig.

Elektrotechniker:innen-Jobs in Österreich

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Fazit: Ein Beruf, an dem die Energiewende hängt.

Wer in Österreich Elektrotechnik lernt, hat beste Aussichten auf einen sicheren Job. Jede Wärmepumpe, jede PV-Anlage und jeder Kilometer neuer Leitung muss von jemandem angeschlossen und geprüft werden. Die Bezahlung ist solide, richtig gut wird sie mit Spezialisierung, Verantwortung oder einem Wechsel in Industrie und Energiewirtschaft. Das System ist durchlässig, von der Lehre bis zum Ingenieurtitel, mit verkürzten Wegen für Erwachsene und der Rot-Weiß-Rot-Karte für Fachkräfte aus Drittstaaten.

Die größte offene Aufgabe bleibt der Nachwuchs. Solange vor allem junge Männer diesen Beruf wählen, bleibt das Potenzial der anderen Hälfte der Bevölkerung weitgehend ungenutzt. Ob die Energiewende rechtzeitig gebaut wird, hängt auch daran, ob sich das ändert.

Lies auch: Energiewende in Tirol mitgestalten: TIWAG im Interview

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David Hirrle
Kategorien: Magazin

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